Nachhaltigkeit beginnt dort, wo Informationen ihre Zusammenhänge entfalten

Wer heute mit Fashion-Unternehmen über Nachhaltigkeit spricht, landet schnell bei ESG, CSRD, CO₂-Bilanzen oder dem Digital Product Passport.

Dabei fällt mir in vielen Gesprächen immer wieder etwas auf: Die Diskussion beginnt häufig dort, wo Informationen ausgewertet und berichtet werden sollen. Tatsächlich entsteht ein großer Teil dieser Informationen jedoch deutlich früher.

Nicht im Reporting. Nicht im Compliance-Team. Sondern mitten in der Produktentwicklung.

Dort wird entschieden, welche Materialien eingesetzt werden, welche Lieferanten in Frage kommen, welche Zertifizierungen relevant sind und welche Informationen ein Produkt künftig begleiten.

Der spätere Bericht macht diese Entscheidungen lediglich sichtbar.

Die Daten sind oft längst vorhanden

In vielen Unternehmen wird intensiv darüber diskutiert, wie Nachhaltigkeitsdaten erhoben werden können.

Aus unserer Sicht lautet die spannendere Frage: Sind diese Informationen nicht längst vorhanden?

Materialstammdaten existieren bereits. Lieferanteninformationen ebenfalls. Zertifikate werden verwaltet. Herkünfte sind bekannt. Produktzusammensetzungen werden definiert.

Das eigentliche Problem liegt häufig nicht in fehlenden Informationen, sondern darin, dass sie über verschiedene Systeme, Abteilungen und Dokumente verteilt sind.

Dadurch fehlen genau die Zusammenhänge, die für gute Entscheidungen erforderlich wären.

Informationen entfalten ihren Wert erst im Zusammenhang

Nehmen wir ein typisches Projekt aus der Produktentwicklung.

Mehrere geeignete Materialien stehen zur Auswahl. Alle erfüllen die technischen und gestalterischen Anforderungen.

Zu jedem Material liegen zusätzliche Informationen vor: Herkunft, Zertifizierungen, Zusammensetzung, Lieferantenbewertungen, Transportwege oder Nachhaltigkeitskennzahlen.

Betrachtet man jede Information isoliert, entsteht nur ein unvollständiges Bild.

Erst der Zusammenhang macht sie wertvoll.

Wie passt ein Material zur Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens? Welche Auswirkungen ergeben sich für Transparenzanforderungen oder den Digital Product Passport? Welche Risiken oder Chancen ergeben sich innerhalb der bestehenden Lieferkette? Welche Informationen stehen später für Kunden, Handelspartner oder Berichtspflichten zur Verfügung?

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Informationen vorhanden sind.

Die entscheidende Frage lautet, ob die relevanten Informationen miteinander verbunden sind.

Denn erst aus diesem Zusammenhang entsteht die Grundlage für fundierte Entscheidungen.

Der Digital Product Passport verändert vor allem die Sichtweise

Aktuell beschäftigen sich viele Unternehmen mit der Frage, wie die Anforderungen des Digital Product Passport erfüllt werden können.

Interessanter ist jedoch, welche Erkenntnis dahinter steckt.

Plötzlich wird sichtbar, wie viele Informationen ein Produkt bereits während seines gesamten Lebenszyklus begleiten.

Der Product Passport schafft keine neuen Informationen. Er macht deutlich, wie wichtig durchgängige Informationsketten geworden sind.

Unser Insight

Die Fashion-Branche leidet heute selten unter einem Mangel an Daten.

Sie leidet häufiger unter einem Mangel an Transparenz.

Die Informationen existieren. Sie müssen nur im richtigen Zusammenhang, zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort verfügbar sein.

Deshalb beginnt Nachhaltigkeit nicht beim Bericht.

Sie beginnt dort, wo Produkte entstehen.

Und genau dort entscheidet sich häufig auch, wie belastbar die Informationen für ESG, CSRD und den Digital Product Passport später sein werden.

 

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